User Research Medical Adherence

Die Verbesserung der Therapietreue durch Behavioural Design im MedTech

Praxisprojekt MAS HCID

Auftraggeber Zühlke Engineering AG

2018

Aufgabe

Im Praxisprojekt sollten die gelernten UX-Methoden und Vorgehensmodelle in einem interdisziplinären Team mit einem realen Auftraggeber angewendet werden. Der Auftraggeber war Zühlke Engineering AG, meine Teampartnerinnen Stephanie van Ophuisen und Eva Braunecker.

 

Die Nicht-Einnahme von Medikamenten und Abbruch von medizinischen Therapien ist ein grosses Problem und verursacht jedes Jahr hohe Kosten für des Gesundheitssystem. Wir haben untersucht, inwieweit Techniken aus dem Bereich User Experience mögliche Ansatzpunkte für die Verbesserung der Therapietreue liefern können.

 

Herausforderung

 

Unsere Problemstellung war ein sehr offenes und umfangreiches Thema. Die Herausforderung bestand darin den Scope einzugrenzen, sinnvolle Forschungsfragen finden und auf diese fokussiert zu bleiben.  

Cluster bilden im Affinity Diagram: Was sind die relevanten
Faktoren bei der Therapietreue?


Ergebnisse

Faktoren der Therapietreue

Aus dem Affinity Diagram liessen sich Cluster grösserer Themen der Faktoren, die die Therapietreue beeinflussen, bilden: 

  • Medizin: Patienten sind therapietreu, wenn sie der Medizin und den Medikamenten vertrauen.
  • Arzt: Patienten sind therapietreu, wenn sie in die Therapieplanung aktiv mit einbezogen werden.
  • Finanzieller Faktor: Patienten sind therapietreu, wenn sie sich die Therapie leisten können und sich nicht vom Arzt oder der Pharmaindustrie ausgenutzt fühlen.
  • Selbstbild: Patienten sind therapietreu, wenn sie ihr Selbstbild aufrecht erhalten können.
  • Soziales Umfeld: Patienten sind therapietreu, wenn ihnen Bekannte das Medikament empfehlen.
  • Behavioral Model: Patienten sind therapietreu, wenn sie motiviert und in der Lage sind, die Therapieanweisungen einzuhalten und im richtigen Moment den passenden Auslöser erhalten.

Hypothetische Lösungen

Da unsere Arbeit einer Forschungsarbeit gleicht, war es uns leider nicht möglich eine konkrete Lösung zu entwickeln und diese zu validieren. Trotzalledem wollten wir gerne für uns hypothe- tische Lösungsansätze generieren, welche auf die beiden Personas zugeschnitten sind und ihrem “Faktoren-Profil” entsprechen. Demnach haben wir uns - ergänzend zum IST-Szenario - für die Erstellung eines Soll-Szenarios entschlossen, in welchem die möglichen Lösungsansätze beschrieben werden.

 

Ergebnisse

Das Ergebnis unserer Arbeit waren Empfehlungen für unseren Auftraggeber, in welcher Richtung Lösungen für der mangelnden Therapietreue im Bereich UX gesucht werden könnten. Ein neues Produkt könnte Lösungen bieten, um…

  • das Vertrauen der Patienten zu Medizin und Medikamenten zu fördern.
  • die Patienten in die Therapieplanung aktiv mit einzubeziehen.
  • den Patienten eine Kontrolle über die Kosten zu ermöglichen.
  • den Patienten in seinem individuellen Selbstbild zu bestärken.
  • Weiterempfehlungen zu ermöglichen.
  • durch kleine “Schubser” zu motivieren und zum richtigen Zeitpunkt das Verhalten zu triggern.

Aus dem Clustering der Rohdaten der User Research haben wir Hypothesen aufgestellt.


Vorgehen

  • Einlesen in Theorien zum Thema Behavioral Design, Behavioral Model und Nudges
  • Benchmark im Bereich der Digiceuticals und Digital Therapeuticals
  • Definition von Forschungsfragen, Eingrenzung Scope
  • Interviews
  • Expert Review
  • Tagebuch Methode
  • Affinity Diagram
  • Persona Mapping
  • Personas und Szenarien
  • Aufstellen von Hypothesen
  • Entwicklung von hypothetischen Lösungen anhand von SOLL-Szenarien

Persona Mapping und Personas mit IST-Szenarien


Learnings

Methoden wie Interviews, Persona Mapping, IST- und SOLL-Szenarien konnte ich in diesem Praxisprojekt mit realer Aufgabenstellung anwenden. Die breite Themenstellung war herausfordernd, aber dadurch auch sehr spannend.

 

Es bleibt aufregend, wohin die Reise in der Digitalisierung der Medizin geht. Ein Bereich, der mich sehr interessiert und wo viel Potential für UX Designer liegt.